Naturschutz hat Geschichte!

Seit fast zweihundert Jahren engagieren sich in Deutschland Personen, Gruppen, Verbände und Institutionen für den Schutz der Natur.

Der geschichtliche Bogen reicht von naturwissenschaftlichen Gesellschaften, die sich im 19. Jahrhundert auch Fragen des Schutzes der Natur zuwandten, über die Vereine und Verbände des Natur- und Heimatschutzes, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert überall in Deutschland gründeten, bis zu den Diskussionen der Gegenwart um internationale Netzwerke, Erhaltung der Biodiversität und nachhaltiges Nutzen.

Dabei war Naturschutz kein historisches Randphänomen. Naturschutz war eine zum Teil höchst erfolgreich agierende gesellschaftliche Gegen-Bewegung zur industriell geprägten Moderne. Dem ehrenamtlichen und beruflichen Engagement unzähliger Naturschützerinnen und Naturschützer ist es zu verdanken, dass heute eine ökologische Entwicklung der Industriegesellschaft ohne Naturschutz nicht mehr vorstellbar ist.

Die Stiftung Naturschutzgeschichte will die Geschichte der sozialen Bewegung Naturschutz lebendig und wirksam erhalten.

In der Vorburg von Schloss Drachenburg ist ein Ort der Erinnerung und Begegnung entstanden. Offen für alle, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Naturschutzes in Deutschland bewegt und bewegen.

Die Stiftung hat sich die Aufgabe gestellt, die Geschichte des Naturschutzes kritisch aufzuarbeiten und das gewonnene historische Wissen für die Probleme der heutigen Gesellschaft nutzbar zu machen.

Zu diesem Zweck betreibt die Stiftung Naturschutzgeschichte ein Archiv, ein Forum und ein Museum.

Aktuelles   Über uns  

Aktuelles

25 Jahre Stiftung Naturschutzgeschichte

Am 5. Dezember 1996 gründeten die Länder Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sowie die NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege die Stiftung Naturschutzgeschichte. In einer Feierstunde blickt die Stiftung am 24. August 2022 auf diese 25 Jahre zurück.

Die Welt hat sich in diesem Vierteljahrhundert rasant verändert. Neue Herausforderungen hat der Naturschutz zu bestehen. Der Auseinandersetzung mit diesen Problemlagen widmet sich eine gemeinsam mit der Natur- und Umweltschutzakademie NRW ausgerichtete Tagung:

Stolpersteine auf dem Weg zur sozial-ökologischen Transformation
Soziale Fragen und Rechtsextremismus als Herausforderungen für den Naturschutz

Der Naturschutz steht heute, wie die Gesellschaft überhaupt, vor großen Herausforderungen. Am deutlichsten spiegeln sich diese Herausforderungen in der menschengemachten Klimakatastrophe und im drohenden Biodiversitätsverlust, aber auch in der Frage, wie künftig der soziale Zusammenhalt gewährleistet werden kann.

Zusätzliche Probleme für die Naturschutzarbeit ergeben sich aus den sozialen Folgen, die mit einer neuen Klimapolitik einhergehen werden sowie einem verstärkt auftretenden politischen Extremismus bzw. Populismus.

Verschärft werden diese großen Herausforderungen durch die Folgen, die die russische Invasion in die Ukraine nach sich ziehen wird. Fragen der Energieversorgung und daraus resultierende Konsequenzen für den sozialen Sektor werden die politischen Auseinandersetzungen der nächsten Zeit wesentlich bestimmen. Vor diesem Hintergrund ist die Beschäftigung des Naturschutzes mit sozialen Fragen und rechtsextremistischen Einflussnahmen noch einmal dringlicher geworden.

Diese Problemlagen können sich als Stolpersteine auf dem Weg hin zu einer sozial-ökologischen Transformation erweisen. Die historischen Erfahrungen des Naturschutzes sind in dieser Hinsicht ambivalent: Zum einen bieten frühere völkische Traditionen den heutigen rechtsextremistischen Kreisen gewissermaßen einen Steinbruch für ihre Argumentation. Zum anderen aber hat der Naturschutz bereits in seinen Anfängen thematisiert, dass die Bewahrung der Natur und die Verbesserung der sozialen Lage zwei Seiten ein und derselben Medaille sind.

In den letzten Jahren hat die vor 25 Jahren gegründete Stiftung Naturschutzgeschichte aufgezeigt, dass die Erfahrungen aus der Geschichte, aber auch historisch gewachsene Strukturen und Mentalitäten des Naturschutzes noch heute mittelbar fortwirken. Das Wissen um das Gestern bietet aber auch die Chance, Konsequenzen für unsere aktuelle und zukünftige Naturschutzarbeit zu ziehen – und dies gewinnt gerade angesichts der versuchten Einflussnahme rechtspopulistischer und -extremer Kreise eine besondere Dringlichkeit.

Programmflyer (PDF)

Die nachgeholte Wiedervereinigung

Naturschutz hat Geschichte – eine fortwirkende Geschichte. Geschichte haben mittlerweile auch die Stiftung Naturschutzgeschichte in Königswinter und das Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e. V. (IUGR) in Neubrandenburg. Beide haben sich seit Jahrzehnten mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung darum gekümmert, dass die Aktivitäten der Naturschützer*innen in Erinnerung gehalten, gesichert und gewürdigt werden.

Am 24. August 2022 fusionieren die beiden Archive in Königswinter und Neubrandenburg zu einem gesamtdeutschen Naturschutzarchiv.

Zeitgleich zur Fusion begrüßt die Stiftung Naturschutzgeschichte mit Mecklenburg-Vorpommern ein neues Bundesland in ihren Reihen.

Die Stiftung und das IUGR beschränken sich nicht darauf, die Historie zu dokumentieren. Beide greifen auch aktuelle Herausforderungen auf. Dabei lassen sie sich von der Devise leiten: Ohne das Wissen um das GESTERN können wir das HEUTE nicht verstehen und das MORGEN nicht verantwortlich gestalten. Wer lange Zeiträume überblickt, erkennt frühzeitig Veränderungen im Hier und Jetzt und kann schnell auf neue Herausforderungen reagieren.

Naturschutz war am Ende des 19. Jahrhunderts eine Reaktion auf die Transformation von der Agrargesellschaft zur Industriemoderne. Naturschützer*innen aus den östlichen Ländern wissen ein Lied über den Transformationsprozess seit den 1990er-Jahren in diesem Teil Deutschlands zu singen. Der Klimawandel und der Biodiversitätsverlust erfordern eine sozial-ökologische Transformation.

In diesen unruhigen Zeiten laden wir zu unserer Feierstunde ein, um über Vergangenes zu reflektieren, über heutige Herausforderungen zu diskutieren und dabei die Zukunft fest im Blick zu haben.

Flyer (PDF)
Antwortkarte (PDF)  

Neue Publikation erschienen!

Lars Berger, Hans-Werner Frohn & Christiane Schell (Hrsg.): Naturschutz und Heimat – Konzepte für die Zukunft entwickeln

BfN-Skripten 623, Bonn (Selbstverlag) 2022..

‚Heimat‘ lässt im gesellschaftlichen und politischen Diskurs kaum jemanden ‚kalt‘ und führt dazu, dass Debattenbeteiligte sehr schnell und scharf Positionen beziehen. ‚Heimat‘ ist in aller Munde, ‚Heimat‘ ist im politischen und gesellschaftlichen Diskurs umstritten – und ruft sofort Reflexe hervor.

Die Begriffe Heimat und Naturschutz sind eng miteinander verbunden. Die Publikation legt dar, dass Heimat und Naturschutz über gemeinsame Ursprünge und eine viele Jahrzehnte in sich verschlungene Entwicklung verfügen. ‚Heimat‘ motivierte zu Maßnahmen zum Schutz von Natur und Landschaft. Heimat erwies sich aber stets als janusköpfig und changierte zwischen „Bewahren und Vernichten, Fürsorge und Verbrechen“ (Friedemann Schmoll). Der Band beschäftigt sich vor dem Hintergrund dieser Ambivalenz damit, ob und wenn ja wie Das „Heimat“-Argument im aktuellen Naturschutz eine Rolle spielen kann oder soll.

Die Publikation ist online verfügbar unter: https://www.bfn.de/publikationen/bfn-schriften/bfn-schriften-623-naturschutz-und-heimat-konzepte-fuer-die-zukunft

Historischer Ort

Die Stiftung Naturschutzgeschichte hat ihren Sitz am Drachenfels bei Königswinter sehr bewusst gewählt. Ihr Domizil auf dem Ensemble von Schloss Drachenburg liegt inmitten des faktisch ältesten Naturschutzgebiets Deutschlands. Bereits 1836 wurde der Drachenfels vom preußischen Staat vor der Zerstörung durch Steinbrüche gerettet.

Der Drachenfels und das Siebengebirge sind somit bedeutende Keimzellen für den deutschen Naturschutz. Viele Entwicklungen der Naturschutzgeschichte spiegeln sich hier wider: Von den ersten Schutzmaßnahmen des Staates, über die Formierung bürgerschaftlicher Schutzbemühungen und Proteste, die formalrechtliche Ausweisung zum Naturschutzgebiet, die Einrichtung eines Naturparks bis hin zu Versuchen, das Siebengebirge zum Nationalpark zu erheben.

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Förderverein

1989 gründete sich der Verein „Archiv und Museum zur Geschichte des Naturschutzes“. Unter seiner Federführung entstanden erste konzeptionelle Überlegungen zur Gründung der Stiftung Archiv, Forum und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland.

Nach der Gründung der Stiftung am 5. Dezember 1996 verlagerte der Verein sein Aufgabenfeld. Er unterstützt seither die Arbeit der Stiftung Naturschutzgeschichte, wirbt für sie in der Öffentlichkeit und hilft mit, Vor- und Nachlässe ehren- und hauptamtlicher Naturschützerinnen und Naturschützer einzuwerben.

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